RCS – SMS trifft Messenger App

RCS ist seit einiger Zeit in aller Munde. Wir werfen einen Blick auf die Hintergründe, den aktuellen Stand der Entwicklung und wie es damit weitergehen soll. Insbesondere beleuchten wir, was sich durch die Ankündigung von Google ändert, die Verbreitung von RCS nun selbst voranzutreiben, wie der Stand in Deutschland ist und welche Vorteile sich Unternehmen künftig von RCS im Business Messaging erhoffen können.

SMS ist doch super, warum also etwas Neues?

SMS ist ein Kommunikationsstandard, der seit den 1990er Jahren fest etabliert ist. Sowohl für private als auch für geschäftliche Nutzer bietet die SMS viele Vorteile: weltweite Netzabdeckung, sehr schnelle Zustellung und mehr. Kunden nutzen SMS sehr gerne für den Kontakt mit Unternehmen, da durch die Begrenzung der Zeichenzahl kurze Nachrichten vorgegeben sind. Mit einer durchschnittlichen Leserate von 98% ist SMS schneller und sicherer als jede andere Möglichkeit der Kommunikation.

Immer mehr werden aber Apps wie WhatsApp, Facebook Messenger und andere genutzt, die neben der reinen Textfunktion noch weitere Möglichkeiten bieten. Dies reicht vom Teilen von Videos und Bildern über die Implementierung von Location und Maps bis zum Gruppenchat. SMS bietet diese Funktionen nicht oder nur begrenzt. Und hier kommt RCS ins Spiel

Was genau ist eigentlich RCS?

RCS steht für Rich Communication Services. Entwickelt wird RCS seit 2008 vom Internationalen Branchenverband der GSM-Provider (GSMA). Ziel war und ist es vor allem, die Schwächen von SMS gegenüber modernen Messenger-Diensten auszugleichen. Mittelfristig soll RCS den mittlerweile in die Jahre gekommenen SMS-Standard ersetzen.

Durch einen Mangel an einheitlicher Implementierung durch verschiedene Anbieter wurde der Standard allerdings lange Zeit ausgebremst. So hatten viele Netzbetreiber ihre eigene Version einer RCS-App, die unter verschiedenen Namen wie Joyn, Message+ und anderen betrieben wurden. Keine dieser Apps konnte sich wirklich etablieren. Inzwischen sind die Meisten wieder vom Tisch.

Im Juni 2019 hat Google angekündigt, seine eigene Infrastruktur zur Abdeckung von RCS bereitzustellen. Vorerst ist das als Pilotprojekt in Frankreich und Großbritannien gestartet, weitere Länder sollen im Laufe des Jahres folgen. Zusätzlich sollen die Netzwerke von Netzbetreibern genutzt werden, sofern diese RCS unterstützen. Dadurch wird es auf Dauer unwichtig sein, bei welchem Mobilfunkanbieter man ist, sofern das eigene Gerät den Standard unterstützt und die Message-Funktion (Chat) von Google installiert ist. Moderne Geräte etwa von Samsung, LG, Asus, Huawei und anderen sind bereits ab Werk RCS-fähig.

RCS-Verfügbarkeit in Deutschland

Bislang bieten in Deutschland Telekom und Vodafone die Unterstützung für RCS an. Da allerdings deren Subunternehmen das gleiche Netz verwenden, ist die Abdeckung in der Fläche ziemlich gut. O2/Telefonica hat die RCS-Unterstützung 2017 wegen geringer Nutzung eingestellt. Ob es dabei bleiben wird, ist im Moment nicht abzusehen. Gut möglich, dass O2 die Unterstützung wieder einführt, wenn durch den Ausbau seitens Google mehr Nutzer vorhanden sind.

Besonders attraktiv für Unternehmen

Für gewerbliche Nutzer bringt RCS eine ganze Reihe von Vorteilen sowohl gegenüber SMS als auch im Vergleich zu Messenger-Apps. So ist nicht nur eine Verifizierung des Absenders möglich, sondern auch die Nachverfolgung der Nachricht, etwa Zeitpunkt der Zustellung, die Überprüfung ob integrierte Links geklickt werden und mehr. Für den Kunden wird viel schneller ersichtlich, wer die Nachricht verschickt hat, denn statt einer Nummer als Absender sehen sie ein Logo, Farbschema und Firmenname.

Auch das Versenden von Zustellbestätigungen, Zugtickets, Warnungen vor Kreditkartenmissbrauch und dergleichen sind zukünftig über RCS möglich, was den Standard für nahezu alle Branchen interessant macht, vom Banking bis zum kleinen Versandhandel für Nischenartikel. Gleichzeitig verhindert die eingebaute Verifizierung für Unternehmen das Aufkommen von Spam.

Für Empfänger ohne RCS-fähiges Smartphone wird eine gesendete Nachricht nur als reguläre SMS zugestellt, also auch ohne die Multimedia-Inhalte. Gleiches gilt auch vorerst für den Versand von Nachrichten an Apples iMessage. Erste Gateway-APIs für RCS beinhalten auch diese Fallback-Funktion, sodass der Versand von RCS-Nachrichten nicht „verloren“ geht wenn der Empfänger kein entsprechendes Smartphone hat.

Aufgrund der bisherigen Funktionsweise ist RCS vor allem für den persönlichen Kundenkontakt nützlich. A2P-Messaging ist immer noch recht kompliziert zu implementieren und funktioniert nicht so gut. Das wird sich aber wahrscheinlich bald ändern. Das andere Problem ist die Preisgestaltung, da jeder Netzbetreiber seinen Kunden Gebühren in Rechnung stellen kann, wahrscheinlich pro Nachricht oder gesendeten Inhalt. Wie das im Detail aussehen wird, bleibt abzuwarten.

RCS sending of Railway ticket
RCS Appointment

Was ist mit Apple?

Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass Apple nicht zu den Herstellern gehört, die RCS-fähige Smartphones produzieren. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits ist Android der größte Konkurrent von Apples iOS, und andererseits bietet Apple seinen Nutzern mit iMessage bereits einen Dienst, der den Funktionen von RCS stark ähnelt. Bislang hat Apple noch keine Aussage dazu getroffen, ob eine zukünftige Implementierung von RCS geplant ist. Es gibt allerdings (unbestätigte) Berichte, dass Apple bereits mit der GSMA an einer Adaption des Standards arbeitet.

Die Frage, ob Apple irgendwann RCS unterstützen wird – oder zumindest den iMessage-Dienst kompatibel macht – hängt wohl stark davon ab, wie groß der Erfolg von RCS sein wird. Umgekehrt könnte eine Nicht-Implementierung seitens Apple genau diesen Erfolg auch schmälern. Viele Nutzer könnten dann eher bei Apps wie WhatsApp und Facebook Messenger bleiben, um unabhängig von ihrem Betriebssystem mit all ihren Kontakten verknüpft zu bleiben.

Wie ist die Prognose?

Momentan hat RCS noch einige Schwachstellen, die man nicht außer Acht lassen darf. Ein Kritikpunkt, der immer wieder auftaucht, ist, dass es für RCS (bislang) keine End-to-End-Verschlüsselung gibt. Gerade wenn personenbezogene Daten ausgetauscht werden, kann das problematisch werden. Daneben gibt es immer noch Lücken in der Verfügbarkeit in vielen Ländern.

Beides sind Probleme, die Google angehen will. Bis es soweit ist, wird aber wohl noch etwas Zeit vergehen. Unklar ist ebenfalls noch, wie die Preise aussehen werden. Zwar hat Google angekündigt, private Nutzer nicht zusätzlich zur Kasse zu bitten, aber solche Voraussagen sind immer mit Vorsicht zu genießen.

Gleichzeitig nutzt bereits jetzt eine steigende Anzahl von Unternehmen und privaten Nutzern den neuen Standard, wo er bereits verfügbar ist. Die Vorteile liegen auf der Hand, die Probleme werden hoffentlich bald aus der Welt geschafft. Spätestens dann ist RCS das, was seine Erfinder sich gewünscht haben: Ein Nachfolger für die SMS.

  • Unabhängig vom Internet

    Weil für die Übertragung der Nachrichten das Mobilfunk-Netz verwendet wird, ist Erreichbarkeit auch jenseits von WLAN-Hotspots möglich

  • Unabhängig vom Netzwerkanbieter

    Durch den geplanten Ausbau durch Google und die Einbeziehung anderer Netzwerke wird eine globale Erreichbarkeit angestrebt

  • Erhöhte Seriosität für Unternehmen

    Durch die Möglichkeit, sich als Absender zu verifizieren wird das Kundenvertrauen erhöht. Auch der Schutz vor Spam wird dadurch besser gewährleistet.

  • Multimediale Inhalte ohne zusätzliche App

    Ohne dass dafür zusätzliche Installationen nötig sind, können Sie Bilder, Videos, Map-Directions und vieles mehr verschicken.

  • Bislang keine Unterstützung durch Apple

    Bislang ist der iMessage-Dienst von Apple nicht mit RCS kompatibel. Ob sich das in Zukunft ändern wird, ist momentan noch nicht klar.

  • Unklare Preispolitik

    Bisher ist noch nicht klar, wie viel der Versand zukünftig kosten wird. Bisher kostet eine Nachricht etwas mehr als eine SMS. Ob es lohnende Angebote für Unternehmen geben wird, und wie die Kosten für Privatnutzer aussehen werden, kann derzeit noch nicht gesagt werden.

  • Keine End-to-End-Verschlüsselung

    Während WhatsApp, Facebook-Messenger und auch SMS längst über eine End-to-End-Verschlüsselung verfügen, werden RCS-Nachrichten nur während der Übertragung verschlüsselt. Solange sich das nicht ändert, wird RCS unattraktiv für alle datenschutzrelevanten Inhalte bleiben.

  • Lücken in der Abdeckung

    Auch wenn Google dieses Problem nun angehen will, gibt es doch noch immer große Lücken in der Verfügbarkeit in vielen Ländern. Ohne flächendeckendes Netzwerk wird der Standard wenig attraktiv für alle überregionalen Unternehmen bleiben.

Und was macht sms77 daraus?

Wir glauben, dass RCS eine vielversprechende Technologie darstellt. Spätestens wenn die oben genannten Schwachstellen beseitigt sind wird RCS Messaging die Business Kommunikation bereichern, wenn nicht gar revolutionieren. Daher arbeiten wir bereits daran, unsere Gateway API auf RCS-Implementierung vorzubereiten, um bereit zu sein, sobald der Standard weiter verbreitet und ausgereifter ist.

Mit besten Grüßen
Ihr sms77 Team
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